Lebenswertes Leben? – Abschied von einem Freund

Eigentlich war diese Woche ein Food-Beitrag geplant, aber aus aktuellem Anlass möchte ich heute über ein anderes Thema bloggen.

Letzte Woche habe ich sehr viel über mich und mein Leben nachgedacht. Nachdem ich die Nachricht erhalten hatte, dass eine Tante von mir verstorben ist, und kurz darauf auch eine Frau mit der ich beruflich zu tun hatte innerhalb weniger Stunden verstarb, begann ich mir da schon Gedanken darüber zu machen, wie schnell das Leben doch eigentlich zu Ende sein kann. Da jedoch noch nicht so intensiv wie in den Tagen seit Dienstag. Denn da rief mich ein Freund an um mir zu sagen, dass ein alter Kumpel von mir am Sonntag mit 28 Jahren tödlich verunglückt ist. Mit meinem Kumpel über ihn zu reden, was passiert war usw. holte mir die alte Bekanntschaft wieder recht nahe. Und so merkte ich, auch wenn ich recht lange nur noch 1-2 Mal pro Jahr Kontakt zu ihm hatte, so hatte ich all die Erinnerungen einer zeitweisen intensiven Zeit noch bei mir.

Wir haben 2 Ferienfreizeiten zusammen geleitet und saßen jeweils 10 Tage am Stück zusammen auf einer Hütte und haben viel Spaß gehabt, aber auch ab und zu Streit und Auseinandersetzungen. Auch ausserhalb dieser Freizeiten haben wir uns immer wieder auf ein Bier getroffen, Abende lang philosophiert, gespielt, Musik gemacht, gesungen, gefeiert und haben so mancherlei Blödsinn zusammen gemacht. Er war ein toller, lebensbejahender Mensch, der durch und durch positiv war. Und immer wenn wir uns nach einer Weile wieder sahen, war dieses vertraute Gefühl da. Auf der Trauerfeier wurden Bilder von ihm gezeigt. Er war ein Weltenbummler und als die Nachrufe vorgetragen wurden, hatte ich das Gefühl, dass er in seinem Leben tat was ich immer wollte bzw. will. Reisen, das Leben geniessen und tun was einem Spaß macht. Und das neben der Arbeit, die er auch noch erledigte und die ihm Freude bereitete.

Ich denke so wie er war, kann ich niemals sein, da wir von Grund auf verschiedene Charaktere und Temperamente hatten, jedoch fielen mir viele meiner „Träume und Lebensziele“ wieder ein, die ich in den letzten 10-15 Jahren verloren habe. Seit Jahren dümple ich vor mir her „eigentlich möchte ich mal“ „und irgendwann sollte ich“ und „wenn ich das und das habe, dann kann ich auch“ sind Worte, die ich sehr oft verwende in den letzten Jahren. Und eigentlich merke ich, dass ich auf der Stelle trete. Zum einen sicherlich, weil ich gemerkt habe, dass ich Probleme in gewissen Bereichen habe, die ich ändern muss und möchte. Aber andererseits habe ich mir in den letzten Tagen auch darüber Gedanken gemacht, warum es an der Umsetzung der Dinge, die ich „eigentlich tun will“ hapert. Und ich mache mir ernsthaft Sorgen darüber ob ich mich schon insofern aufgegeben habe, dass ich mir egal geworden bin und so wenig Hoffnung für mich sehe noch ein erfülltes Leben zu haben. Bin ich so sehr in meinem Alltag, den ich seit Monaten wenn nicht sogar Jahren, relativ kraftlos vor mir her plätschern lasse, gefangen, dass ich aufgehört habe meine Ziele zu verfolgen und sie überhaupt noch zu erkennen?

Ich habe mir nun überlegt ob die Todesfälle der letzten 10 Tage Anlass für mich sein könnten und müssten bewusster ins Leben zu gehen. Meine Ziele und Wünsche klar zu formulieren und sie mir immer wieder vor Augen zu führen um zu sehen, dass ich voraussichtlich noch mehr als 30 Jahre habe in denen ich Dinge erleben und schaffen kann, bevor auch ich das zeitliche Segne. Eben nicht nur zu sagen „ich sollte mal“ oder „eigentlich möchte ich“. Mir ist bewusst, dass das Ändern von Gewohnheiten äusserst schwierig ist und in den letzten Jahren bin ich immer wieder in meine alten Muster zurück gefallen (um nicht zu sagen gescheitert) und habe wieder nichts von dem geschafft was ich mir ab und an gewünscht und vorgenommen habe. Es gilt nun für mich herauszufinden was Ziele und Träume sind bzw. sein können und einen Plan zu entwickeln wie ich sie erreichen kann. Ich werde sicherlich auch immer wieder Rückschläge erleiden und ob ich es überhaupt schaffe, kann ich nicht sagen. Aber ich möchte mindestens erreichen, dass ich mir selbst nicht mehr so egal bin. Das wäre schon einmal ein großer Schritt in die richtige Richtung, hoffe ich.

Ansonsten bleibt mir zu sagen: Lieber F., Du bist ein Vorbild, ein toller Mensch und Freund gewesen. Auch wenn ich Dich nur wenig gesehen habe die letzten Jahre, die Erinnerungen und die Zeit mit Dir sind unsterblich und werden immer wieder aufleben, wenn wir uns in altem Kreis treffen und uns über unsere gemeinsame Zeit unterhalten. Du wirst fehlen, weil Du es warst, der uns immer wieder aufgemischt hat. Mach’s gut. Wo immer Du sein magst.

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2 Gedanken zu “Lebenswertes Leben? – Abschied von einem Freund

  1. Liebe Kischtrine,
    es ist wahnsinnig traurig, dass immer erst der Tod vorbeikommen muss, um uns zu zeigen wie kurz das Leben ist. Jeder Mensch ist wertvoll und sollte sich selbst mit Liebe sehen können. Ich danke dir für diesen Beitrag. Das ist eine Thematik, die auch mich immer wieder sehr nachdenklich macht.
    Ich drück dich und wünsch dir viel Energie, deine eigenen Träume und Wünsche anzugehen.

    • Danke, das ist sehr lieb von Dir. 🙂
      Ja, zumindest geht es mir so, dass ich in solchen Situationen wieder bewusster lebe. Und mir Gedanken mache. Im Alltag verliere ich immer wieder meine Ziele und das Bewusstsein für das Leben.
      Vielleicht können wir uns ja mal im RL zusammen philosophieren und uns austauschen. 🙂

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