Alternde Eltern

Liebe Lesende,

Ich bin das 4. von vier Kindern, mit großem Abstand zu meiner nächsten Schwester. Das heisst, dass meine Mutter inzwischen schon über 70 ist. Ich hielt sie lange für junggeblieben, flexibel und fit, bis sie in den letzten Jahren tatsächlich sowohl körperlich als auch geistig immer ein bisschen mehr abbaute. Es ist jetzt nicht so, dass sie gravierende Krankheiten hätte, aber man merkt einfach: Schnelleres gehen, wird beschwerlich, sie traut sich Vieles nicht mehr zu, hier und da ein Zipperlein und in Vielen Dingen wird sie sehr schnell sehr unsicher.

In den letzten beiden Jahren begleitete ich sie nun bei 2 Städtereisen, weil sie es sich alleine auch nicht mehr zutraute und eine Freundin diese Reisen nicht interessierten. Wir waren in Berlin wo meine Mutter zuletzt in den 70er Jahren war. Sie wollte Berlin noch einmal sehen solange sie noch einigermaßen fit ist. Und sie war noch nie in Hamburg, sodass ich vor wenigen Wochen mit ihr nach Hamburg fuhr. Beide Male mit einer organisierten Busreise. Ich  muss sagen, das ist eigentlich gar nicht mein Reisestil, aber es war durchaus interessant da beide Male richtig gute Stadtführungen geboten waren. Ich habe beide Reisen nicht bereut, auch wenn es wirklich ein ständiges Kümmern und Sorgen beinhaltete. Sie stolpert häufig (jetzt wisst ihr, woher ich das habe :-D) und so musste ich immer wieder schauen, kommt sie zurecht, muss ich sie stützen, begleiten usw. Und natürlich passierten auch die einen oder anderen kleineren Unfälle. Sie selbst ärgerte sich oft darüber und ich denke sie hat immer wieder schlechte Gedanken weil einfach nicht mehr alles so klappt wie es noch vor wenigen Jahren war.

Wir haben von beiden Städten hauptsächlich das gesehen was wir mit den Stadtführungen angefahren haben. Ausserhalb der Touren haben wir gemeinsam recht wenig gemacht. Bei freier Zeit ging sie zurück ins Hotel und ließ mir meine Freiheiten, was aber eher begrenzte Zeit war. Für sie war es glaube ich vor allem wichtig das Gefühl zu haben mich nicht von irgendwas ab zu halten oder mich zu hindern. Sie wusste ich war schon mehrere Male sowohl in Hamburg als auch in Berlin. Ich habe das Meiste was ich sehen will auch schon gesehen, sodass ich diese Reisen tatsächlich so begleiten konnte ohne einen Druck auf sie auszüben, dass ich dieses oder jenes noch sehen wollte. Ich habe auch versucht das zu vermitteln, weil ich merke, dass sie selbst immer wieder an ihre Grenzen stieß und sie vielleicht sogar das Gefühl hatte zur Last zu fallen. Vor allem wenn die Gruppe mal auf sie wartete z.B. Wobei ich das Gefühl hatte, dass diese wirklich beide Male großes Verständnis hatten.

Bei der Hamburg-Reise war nun ein Ehepaar dabei, das gerade mal 2 Jahre jünger ist als meine Mutter, was ich erst sehr spät erfuhr. Ich hätte sie höchsten auf 60 geschätzt. Und als sie mir erzählten, dass sie im letzten Jahr noch eine Wanderreise auf Elba gemacht hatten und nur einen Tag wegen Knieschmerzen ausgesetzt hatten, wurde mir noch einmal deutlich wie sehr meine Mutter in den letzten Jahren gealtert ist. Und das machte mich schon sehr nachdenklich. Es beschäftigt mich nun auch noch 3 Wochen später immer wieder einmal in Gedanken. Und man denkt auch immer wieder darüber nach wie lange das nun noch gehen wird, auch mit dem alleine Leben, der Gesundheit usw….

Nachdenklich…

 

Eure

@kischtrine

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